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Learn German | German Podcast | Ep 216: Menschen, die KEINEN Besuch mögen

German shadowing practice · 401 sentences · 18:35 long · 2329 words

Learn German | German Podcast | Ep 216: Menschen, die KEINEN Besuch mögen

About this practice session

This page turns the YouTube video “Learn German | German Podcast | Ep 216: Menschen, die KEINEN Besuch mögen” into a German shadowing exercise. The recording is split into 401 short sentences that you can play one at a time, repeat after the speaker and record your own version for automatic pronunciation scoring.

The speaker talks at about 131 words per minute, a moderate pace, with an average of 5.8 words per sentence. That makes it suitable for intermediate learners who want natural, everyday speech.

How to practise with this video

  1. Play the first sentence and listen while reading the transcript. Notice the stress, the pauses and where the intonation rises or falls.
  2. Replay it and speak along with the speaker, copying the rhythm rather than reading word by word.
  3. Record yourself straight after the original. ShadowEcho scores each word for accuracy, fluency and completeness.
  4. Compare your recording with the original, retry the words marked in red, then move on to the next sentence.
  5. Practise 10–15 minutes a day. Coming back to the same video after a few days is an easy way to measure progress.

Transcript (German)

  1. Hm. Letzte Woche war ich mit einer
  2. Freundin im Cafée. Eigentlich nichts
  3. Besonderes. Wir haben Kaffee getrunken,
  4. ein bisschen über die Arbeit gesprochen,
  5. über den Alltag, über Müdigkeit, über
  6. diese kleinen Dinge, über die man ebenso
  7. spricht. Und plötzlich sagte sie: "Du,
  8. findest du das eigentlich komisch?" Ich
  9. fragte: "Was denn?"
  10. Und dann sagte sie, ich treffe gern
  11. Freunde. Ich gehe gern mit ihnen ins
  12. Kaffee oder Essen. Ich verbringe
  13. wirklich gern Zeit mit ihnen. Aber
  14. sobald jemand sagt, nächste Woche komme
  15. ich mal bei dir vorbei, dann spüre ich
  16. sofort so einen Widerstand in mir, so
  17. ein inneres Nein. Ich werde angespannt
  18. und möchte am liebsten absagen.
  19. Und ganz ehrlich, ich habe sie sofort
  20. verstanden.
  21. Und ich glaube, sehr viele von uns
  22. kennen genau dieses Gefühl. Ich übrigens
  23. auch. Aber bitte verstehe das nicht
  24. falsch. Das bedeutet nicht, dass wir
  25. komisch sind oder unhöflich oder
  26. verschlossen. Und es bedeutet auch
  27. nicht, dass wir keine Menschen mögen.
  28. Vielleicht mögen wir einfach dieses
  29. Gefühl nicht, dass unsere Ruhe gleich
  30. unterbrochen wird. Denn für viele
  31. Menschen ist das Zuhause viel mehr als
  32. nur ein Ort zum Wohnen. Es ist so etwas
  33. wie die letzte Schutzzone. Der Ort, an
  34. dem man endlich aufhören darf, sich
  35. zusammenzureißen. Der Ort, an dem man
  36. die soziale Maske abnimmt. Der Ort, an
  37. dem niemand etwas von einem erwartet.
  38. Nach einem langen Tag kommt man nach
  39. Hause, zieht die Schuhe aus, wirft die
  40. Tasche irgendwo in die Ecke und atmet
  41. erst einmal tief durch. Vielleicht zieht
  42. man sofort etwas Bequemes an. Die Haare
  43. sind zerzaust. Na und? Vielleicht legt
  44. man die Füße auf den Stuhl oder man
  45. sitzt einfach nur da und sagt eine ganze
  46. Stunde lang kein einziges Wort. Und
  47. genau das fühlt sich gut an. Niemand
  48. schaut zu. Niemand bewertet etwas.
  49. Niemand erwartet etwas von einem. Man
  50. darf einfach sein.
  51. Viele Menschen nutzen diese Zeit zu
  52. Hause, um ihre innere Batterie wieder
  53. aufzuladen.
  54. So als würde man einen Akku aufladen,
  55. der den ganzen Tag über langsam leer
  56. geworden ist. Und wenn Besuch kommt,
  57. selbst wenn es jemand ist, den man
  58. wirklich gern hat, verändert sich dieser
  59. Zustand.
  60. Plötzlich springt dieser soziale Modus
  61. wieder an. Der Kopf arbeitet die ganze
  62. Zeit mit. Worüber reden wir jetzt? Wie
  63. reagiere ich richtig? Wie halte ich die
  64. Stimmung angenehm?
  65. Man beobachtet das Gesicht der anderen
  66. Person und fragt sich: "Fühlt sie sich
  67. wohl?" Und genau das ist der Punkt. Man
  68. ist nicht mehr ganz frei in dem Raum, in
  69. dem man sich eigentlich am freiesten
  70. fühlen möchte.
  71. Man muss wieder ein bisschen Rücksicht
  72. nehmen, ein bisschen aufpassen, ein
  73. bisschen funktionieren und ganz ehrlich,
  74. das kann ziemlich anstrengend sein.
  75. Und dann gibt es noch einen anderen
  76. Grund, warum viele Menschen Besuch zu
  77. Hause eher schwierig finden, die ganze
  78. Vorbereitung und danach das Aufräumen.
  79. Besuch bedeutet oft, dass man vorher
  80. alles ein bisschen ordentlicher machen
  81. möchte. Die Wohnung aufräumen,
  82. vielleicht überlegen, was man anbieten
  83. kann, vielleicht einkaufen, vielleicht
  84. kochen und nach dem Besuch, dann stehen
  85. die Gläser noch da, die Teller, ein paar
  86. Krümel auf dem Tisch. Vielleicht riecht
  87. die Wohnung noch nach Essen und auch
  88. wenn man müde ist, muss man am Ende
  89. alles wieder wegräumen. Für Menschen,
  90. die sowieso schon viel um die Ohren
  91. haben, ist genau dieser Teil oft einfach
  92. zu viel.
  93. Und noch etwas kommt dazu. Wenn jemand
  94. die eigene Wohnung betritt, sieht er
  95. nicht nur einen Raum, er sieht auch ein
  96. Stück von uns. Er sieht, wie wir leben,
  97. wie wir Dinge einrichten, welche
  98. Gegenstände herumstehen, was uns
  99. gefällt, was uns wichtig ist. Eigentlich
  100. sieht diese Person einen kleinen Teil
  101. unserer inneren Welt und irgendwie kann
  102. sich das unangenehm anfühlen.
  103. Vielleicht, weil wir Angst haben,
  104. bewertet zu werden. Dann tauchen
  105. plötzlich Gedanken auf, wie ist meine
  106. Wohnung schön genug? Ist sie ordentlich
  107. genug? Oder findet sie vielleicht
  108. irgendetwas seltsam?
  109. Vielleicht hat dieses Gefühl bei manchen
  110. Menschen auch etwas mit früheren
  111. Erfahrungen zu tun. Vielleicht gab es in
  112. der Kindheit oft Besuch und vielleicht
  113. musste man dann Dinge tun, auf die man
  114. eigentlich gar keine Lust hatte.
  115. lächeln, sich unterhalten oder
  116. vielleicht sogar etwas vorsingen,
  117. vorspielen oder vorführen, einfach weil
  118. Erwachsene es so wollten. Oder man
  119. musste sich Fragen anhören wie: "Und wie
  120. läuft es in der Schule? Zeig doch mal,
  121. was du in der Schule gelernt hast." Na,
  122. bist du immer noch so schüchtern? Na,
  123. hast du schon eine Freundin oder einen
  124. Freund?
  125. Für Erwachsene klingen solche Fragen oft
  126. ganz harmlos, aber für ein Kind können
  127. sie unangenehm sein, sie können Scham
  128. auslösen oder das Gefühl, ständig
  129. bewertet zu werden. Vielleicht hat man
  130. auch erlebt, dass Besuch ungefragt
  131. persönliche Dinge durchwühlt hat oder
  132. dass man von den Eltern geschimpft
  133. wurde, weil man sein Spielzeug nicht mit
  134. dem Kind der Gäste teilen wollte. Und
  135. irgendwann lernt dieses Kind vielleicht,
  136. wenn Besuch kommt, bedeutet das Verlust
  137. und Unsicherheit. Dann gehört der eigene
  138. Raum nicht mehr ganz einem selbst. Und
  139. vielleicht begleitet einen dieses Gefühl
  140. noch bis später, ohne dass man es
  141. wirklich merkt. Dann ist man längst
  142. erwachsen und trotzdem reicht manchmal
  143. schon ein Satz wie ich komme demnächst
  144. mal bei dir vorbei. Und der Körper
  145. reagiert schneller als der Verstand mit
  146. Anspannung, mit Widerstand, mit diesem
  147. kleinen Nein, irgendwo tief im Inneren.
  148. Deshalb glaube ich, dass wir uns dafür
  149. nicht verurteilen sollten. Nicht jeder
  150. Mensch entspannt auf die gleiche Weise.
  151. Nicht jeder Mensch braucht die gleiche
  152. Nähe und nicht jeder Mensch fühlt sich
  153. mit Besuch zu Hause wohl. Das bedeutet
  154. natürlich nicht, dass wir uns komplett
  155. von anderen Menschen zurückziehen
  156. sollten. Verbindung ist wichtig,
  157. Freundschaft ist wichtig, aber Grenzen
  158. sind es auch. Man darf sagen, bei mir zu
  159. Hause passt es heute nicht so gut. Lass
  160. uns lieber draußen treffen. Oder ich
  161. brauche heute einfach einen ruhigen
  162. Abend für mich.
  163. Und dafür muss man keine lange Erklärung
  164. liefern und Menschen, die uns wirklich
  165. gern haben, werden das verstehen. Und
  166. vielleicht ist das am Ende die
  167. eigentliche Antwort. Manche Menschen
  168. hassen Besuch zu Hause gar nicht. Sie
  169. lieben einfach ihre Ruhe. Sie lieben
  170. diesen einen Ort, an dem niemand etwas
  171. von ihnen erwartet. den Ort, an dem sie
  172. einfach sie selbst sein können.
  173. Und jetzt bin ich neugierig. Wie ist das
  174. bei dir? Freust du dich über Besuch zu
  175. Hause oder triffst du Menschen lieber
  176. draußen im Café, im Park oder irgendwo
  177. anders? Schreib es mir gern in die
  178. Kommentare. Ich bin gespannt auf deine
  179. Gedanken.
  180. Der Widerstand, eine Reaktion, bei der
  181. man etwas nicht möchte und sich dagegen
  182. wehrt. Z.B. Gegen die neue Regel gab es
  183. viel Widerstand in der Gruppe.
  184. Unterbrechen, einen Zustand oder Ablauf
  185. stören, sodass er nicht mehr gleichmäßig
  186. weitergeht. Z.B. der Besuch unterbricht
  187. ihre Ruhe zu Hause.
  188. Die Maske, eine Bedeckung für das
  189. Gesicht, die zum Schutz, zur Verkleidung
  190. oder zur Unterhaltung getragen wird.
  191. Z.B. Die Schauspielerin trug auf der
  192. Bühne eine Maske.
  193. Sich zusammenreißen,
  194. sich stark beherrschen, die eigenen
  195. Gefühle oder Reaktionen kontrollieren
  196. und sich auf die Situation
  197. konzentrieren. Z.B.
  198. Obwohl er müde war, mußte er sich bei
  199. der Arbeit zusammenreißen.
  200. Zerzaust, unordentlich und durcheinander

Showing the first 200 of 401 sentences. Open the practice tool to go through all of them.

The original video belongs to its creator: watch it on YouTube.

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